Aktuelles

Der Grammer Award 2009/2010 ging an eine junge Forschergruppe aus England.

Wien war vom 15. bis zum 17. September 2010 Schauplatz des europaweit größten Treffens von Wirbelsäulenforschern und –forscherinnen. Weit über 2.000 Biomechaniker, Biologen und Mediziner tauschten beim Kongress „EuroSpine“ neueste Erkenntnisse aus ihren Fachgebieten aus. In der österreichischen Hauptstadt wurde im Rahmen der Tagung bereits zum elften Mal der GRAMMER European Spine Journal Award verliehen. Die weltweit höchstdotierte Auszeichnung in der Wirbelsäulenforschung prämiert in jedem Jahr herausragende Leistungen in der Grundlagenforschung. Der GRAMMER Award 2009/2010 ging an eine Forschergruppe um Dr. Christopher A. Sharp. Die Forscher und Forscherinnen fanden erste Hinweise darauf, dass Bandscheiben über einen eigenen Schutzmechanismus verfügen, um einen weiteren Abbau des Gewebes zu verhindern. Wenn man diese Vorgänge besser versteht, wären neue Therapieformen möglich, die gezielt in diese Prozesse eingreifen und einer krankhaften Veränderung entgegenwirken.

Quelle: EuroSpine Society / Christian Lendl

Verleihung Grammer Award 2009/2010: Von links nach rechts: Alexandra Polster (Leistungszentrumsleitung Vorentwicklung Sitzsysteme, GRAMMER AG), Prof. Sally Roberts (Teamleiterin zelluläres und neuronales Engineering, Universität Keele), Prof. Hans-Joachim Wilke (Vizepräsident Institut für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik, Universität Ulm)



10 Jahre GRAMMER Award — der diesjährige Gewinner steht fest

Es begann zur Jahrtausendwende und ist seither der weltweit höchst dotierte Preis (20.000 Euro) in der Wirbelsäulenforschung. Wir sprechen dabei vom GRAMMER Award. Dieser wird seit 10 Jahren einmal pro Jahr von den beiden Firmen Grammer AG und Sato Office GmbH (ehemals SID Seating GmbH) gemeinsam mit dem European Spine Journal vergeben.
Ziel dieses Preises ist es, herausragende Forschungsarbeiten rund um die Wirbelsäule zu würdigen. Seit nunmehr 10 Jahren pflegt die Firma GRAMMER diesen guten Kontakt zur Wirbelsäulenforschung und unterstützt die Wissenschaftler in ihrem Fachgebiet. Obwohl der langjährige Partner Sato Office GmbH dieses Jahr zum letzten Mal dabei war, hält die Firma GRAMMER diesen wichtigen Preis gemeinsam mit dem European Spine Journal aufrecht. Innerhalb der letzten 10 Jahre ist viel Wissen und sind viele Ideen aus der Grundlagenforschung in die Sitzentwicklung eingeflossen.
Auch dieses Jahr wurde die Arbeit von 4 herausragenden Wissenschaftlern gewürdigt, die sich mit der Wirbelsäule beschäftigen. Der GRAMMER Award 2008/2009 geht an Herrn Haschtmann und sein Team. Die Forscher deckten einige grundlegende Mechanismen auf, die im Bandscheibengewebe nach einem Wirbelkörperbruch vonstatten gehen. Sie generierten dafür ein Modell, das die Schnittstelle einer Bandscheibe mit einem Wirbelkörper darstellt. In einem Laborversuch wurden Wirbelkörperbrüche nachgestellt und deren Auswirkungen auf biologischer Ebene untersucht. Man kennt nun einige kurzfristigen Veränderungen der Bandscheibe nach derartigen Verletzungen. Dies sind wichtige Meilenstein innerhalb der Therapie solcher Erkrankungen.

Quelle: bestview GmbH


Interessantes aus der Wirbelsäulenforschung:

Belastungsmessung der Wirbelsäule in einem Automobilsitz – eine aktuelle Studie der BMW Group in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Ergonomie der TUM

Die BMW Group veröffentlichte in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Ergonomie der Technischen Universität München eine Studie über die Bandscheibenbelastung in einem Autositz. Dies ist die erste derartige Belastungsmessung der Wirbelsäule in einem Automobilsitz (multifunktionaler Ledersitz). Es handelte sich dabei um ein Messverfahren mittels eines, in einer Kanüle liegenden, Drucksensors, der in die beiden untersten Bandscheiben (L4-L5, sowie L5-S1) eingebracht wurde.
Die Studie wurde mit einem gesunden sportlichen Probanden im Alter von 42 Jahren durchgeführt, der dem 50. Perzentil Mann (176 cm, 83 kg) entspricht. Dabei wurden unterschiedliche Sitzeinstellungen mit entsprechend resultierenden Sitzdruckmustern untersucht. Um den Sitz einzustellen wurde eine Sitzdruckmatte mit 1024 einzelnen Messsensoren genutzt. Man wählte eine optimale Einstellung, die aus früheren Studien bezüglich des Kurz- und Langzeitkomforts als komfortabel eingestuft wurde und 2 weniger ideale Sitzeinstellung mit jeweils deutlich zu hohem prozentualem Druck bzw. deutlich zu niedrigem prozentualem Druck unter den Oberschenkeln. Entsprechend verschob sich auch der prozentuale Druck unter dem Gesäß nach unten und oben. Der Winkel zwischen Rückenlehne und Sitzpolster blieb konstant.
Die Ergebnisse zeigten, dass bei einer idealen Sitzposition mit einer „optimalen“ Sitzdruckverteilung der signifikant niedrigste Druckwert (0,5 bar) in den Bandscheiben auftrat. Bei einer Variation der Sitzposition und daraus resultierend weniger „optimalen“ Sitzdruckverteilung stieg der Bandscheibendruck auf 0,95 (erhöhter Druck im Oberschenkelbereich, erniedrigter Druck im Gesäßbereich) und 1,5 bar (erniedrigter Druck im Oberschenkelbereich, erhöhter Druck im Gesäßbereich) an.
Die Autoren vermuten, dass diese Druckvariationen in der unterschiedlichen Arbeit der Muskulatur und der Bänder begründet sind. Bei einer neutralen Sitzposition sind die Bänder zwar in einer gewissen Vorspannung zur Stabilisierung der Wirbelsäule, die Muskulatur muss aber nur geringe Haltearbeit leisten. Wenn die Sitzposition nicht optimal ist, muss mehr Muskelarbeit geleistet werden, die Bänder verspannen sich mehr und es steigt dadurch der Druck in den Bandscheiben. Der Grund für den Anstieg des Drucks in den Bandscheiben ist also die Kombination aus Beugen und Stabilisieren der Wirbelsäule durch das Zusammenspiel der Bänder und der Muskelkontraktion. Eine ideale Sitzdruckverteilung scheint demnach also geringe Drücke in den Bandscheiben hervor zu rufen.

Quelle:
Zenk, R., Franz, M., Bubb, H.: Spinal load in the context of automotive seating. 2007-01-2485, SAE International



„Der neue GRAMMER European Spine Journal Award-Gewinner steht fest“

Der Preis 2008 ging an ein japanisches Forscherteam unter der Leitung von Masao Koda. Die Gruppe um Koda beschäftigte sich in Ihrer Forschungsarbeit mit der möglichen Regeneration von Nervenstrukturen des Rückenmarks. Die Nervenzellen von Gehirn, Sinnesorganen und Rückenmark können sich beim erwachsenen Menschen nach Verletzungen nicht in dem Maße regenerieren, wie der größte Teil des Gewebes. Die Forschung beschäftigt sich intensiv mit der Untersuchung dieser Zellsysteme, um die Unterschiede zu den regenerationsfähigen Zellen aufzudecken. Dies könnte Menschen mit Rückenmarksverletzungen in Zukunft helfen.

Die Arbeit von Masao Koda et al. hatte das Ziel, den Einfluss eines Wachstumsfaktors auf die mögliche Regeneration von Nervenstrukturen nach einer Durchtrennung des Rückenmarks zu bestimmen. Für diese Untersuchung wurde ein Abschnitt des Rückenmarks von Ratten entfernt und durch Bindegewebszellen des Knochenmarks ersetzt, die zuvor mit einem Wachstumsfaktor (BDNF) infiziert wurden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass dieses Gen BDNF tatsächlich einen Einfluss auf die Reparatur der Nervenzellen aufwies und zu einer besseren Funktion der „unteren Gliedmaßen“ führte.

Überreichung des Schecks an die Forschergruppe um Masao Koda aus Japan. Personen von links nach rechts: Marion Kurz (Firma Sato), Alexandra Polster (Firma Grammer), Hermann Meiller (Firma Ergomechanics), Masashi Yamazaki (Chiba Universität), Prof. Wilke (Universität Ulm)